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„Der katastrophale Zustand des Gesundheitswesens in Frankfurt“

„Der katastrophale Zustand des Gesundheitswesens in Frankfurt“ Uniklinikum Frankfurt am Main

250 Jahre Dr. Senckenbergische Stiftung: Elf Institute in Frankfurt feiern den visionären Stadtarzt und sein Erbe.

„Es war wohl vor allem der katastrophale Zustand des Gesundheitswesens in Frankfurt in der Mitte des 18. Jahrhunderts“, so vermutet der Arzt und Vorsitzende der Dr. Senckenbergischen Stiftung Dr. Kosta Schopow, „der den Frankfurter Stadtarzt Johann Christian Senckenberg dazu brachte, sein gesamtes Vermögen in den Aufbau einer Stiftung zu stecken, die bis heute von besonderer Bedeutung für die Stadt Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet ist.“ Die Institute, die aus der damaligen Gründung direkt oder mittelbar entstanden sind, betreiben heute sowohl die intensive Forschung im Dienste der Gesundheit als auch die unmittelbare Versorgung der Kranken.

 

Senckenbergs Nachfolger: von der Zelle bis zum Sonnensystem

Wissenschaftlich analysiert werden in den Senckenberg-Instituten gleichermaßen die Mikrobedingungen menschlicher Zellstrukturen, wie auch die Erde als Lebensraum des Menschen und die zentralen Prozesse unseres Sonnensystems. Senckenbergs Nachfolger kümmern sich um die heimische Pflanzenwelt und die regionalen Lebensräume im Rhein-Main-Gebiet, aber genauso auch um die Entdeckung neuer Arten in den tiefsten Gräben der Weltmeere. Sie erforschen den Einfluss der inneren Uhr auf die Gesundheit des Menschen, bieten schwerstkranken Hirntumorpatienten ein Kompetenzzentrum und stellen die drängenden ethischen Fragen an die Medizingeschichte und -gegenwart. Gleich mehrere universitäre Institute sorgen für hochqualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs, so dass der Weg hin zu einem immer gesünderen Menschen auf einer gesünderen Erde konsequent weiter verfolgt werden kann.

 

Am Ursprung: wenig kenntnisreiche und eindimensionale Medizin

Leidvoll hatte Senckenberg persönlich erfahren müssen, wie hilflos eine wenig kenntnisreiche und eindimensionale Medizin gegenüber vielen Krankheiten war. Seine erste Frau Johanna Rebecca starb 1743 am Kindbettfieber, die gesund geborene Tochter 1745 an Tuberkulose. Seine zweite Frau Katharina Rebecca gebar 1746 den Sohn Erhard Jakob, der kurz nach der Geburt an einer Infektion starb. Sie selbst erlag 1747 einem Lungenleiden. 1754 heiratet er seine krebskranke Patientin Antonetta Elisabetha, die 1756 starb. Die Gefühle der Ohnmacht gegenüber dem Leid führten dann zur Entscheidung, endlich ein Krankenhaus in Frankfurt zu begründen, das nicht länger eine Pforte des Todes, sondern vor allem ein Tor zum Leben war. Zur Erreichung von mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen wollte er der Wissenschaft einen Tempel bauen.

 

Ziel: „bessere Gesundheits-Pflege hiesiger Einwohner“

So nannte Senckenberg im Hauptstiftungsbrief vom 18. August 1763 als Hauptzweck der Stiftung die „bessere Gesundheits-Pflege hiesiger Einwohner, und Versorgung der armen Kranken...“ Er setzte ein ‚Collegium medicum‘ als Erben ein. Dieses Collegium medicum sollte mindestens einmal im Monat beraten, „was zu besserer Ausuebung der hiesigen Gesundheits-Pflege und Versorgung armer Kranker erforderlich seyn moegte.“ Seine größte Sorge galt der dauerhaften Selbstständigkeit der Stiftung und hier vor allem deren Bedrohung durch Einmischungen von öffentlicher Seite. „Meine Stiftung soll allezeit separiert bleiben und niemals vermengt mit Stadtsachen, damit nicht die Gewalt darüber in fremde Hände komme, die den heilsamen Endzweck vereiteln.“

 

Seit der Gründung entstehen elf Institute

Auf diesem Fundament konnten in den zweieinhalb Jahrhunderten seit der Gründung bis heute elf Institute wachsen, die aus dem Gesundheits- und Wissenschaftsleben Frankfurts nicht mehr wegzudenken sind. Das älteste und zentrale Institut von Senckenbergs damaliger Gründung ist das Bürgerhospital. Es ist heute als Krankenhaus der Allgemeinversorgung Teil der Frankfurter Stiftungskrankenhäuser und gehört bundesweit zu den zehn Krankenhäusern, in denen die meisten Kinder zur Welt kommen. Unmittelbar aus dem ‚Theatrum anatomicum‘ des Senckenbergianums am Eschenheimer Tor entstammt das Universitätsinstitut für Anatomie, heute vor allem ausgewiesen in der Ausdifferenzierung der Neuro- und molekularen Anatomie. Dieselbe Wurzel hat das Pathologische Institut der Universität, mit seiner besonderen Expertise für Lymphknoten und das Immunsystem. Nach einer wechselhaften Geschichte findet man den Botanischen Garten Senckenbergs heute am östlichen Rand des Palmengartens, seit 2007 bereichert durch einen Arzneimittelgarten ganz im Sinne des Stifters.

 

Für Frankfurt prägende Relevanz

Nach massiven Behinderungen vor allem durch städtische Stellen war der Stiftung Senckenbergs 1817 mit der Gründung der heutigen Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ein entscheidender Schritt zur Vertiefung der wissenschaftlichen Forschung gelungen. Das daraus entstandene Naturmuseum Senckenberg, dessen Erforschung des Bestehenden und seine Entdeckungen neuer Arten sind heute - ausgehend vom Standort an der Frankfurt Senckenberganlage - weltweit konkurrenzfähig. Der endgültige Durchbruch für eine zukunftsgerichtete Wissenschaft gelang schließlich 1914 mit der Gründung der Frankfurter Stiftungsuniversität, in die neben der Anatomie und der Pathologie weitere Senckenbergische Institute, wie das Botanische Institut und der Physikalische Verein eingingen. Dessen Sternwarte und Vorträge zu relevanten physikalischen Themen besuchen jährlich ca.15.000 Interessierte. Auch die gesamte Senckenbergische Büchersammlung wurde der Universität gestiftet und stellt bis heute einen bedeutenden Grundstock der Universitätsbibliothek. 1938 gründete die Dr. Senckenbergische Stiftung zudem an der Universität das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, heute stark präsent in der Aufarbeitung der Frankfurter Medizingeschichte und jener der Universität.

 

Lückenlose historische Kontinuität

Eine besondere Brücke zwischen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität bildet die Kooperationsprofessur mit dem Institut für Botanik, Ökologie und Diversität. Wissenschaftsgarten und Gewächshaus am brandneuen Campus Riedberg sind durchaus an die Anfänge am Eschenheimer Turm angelehnt. Aus den Anfängen stammen auch heute noch wichtige Bestände der nach Senckenberg benannten Universitätsbibliothek, die im Verlauf der Jahrhunderte aus der Zusammenlegung der Senckenbergischen Büchersammlung mit wichtigen anderen Frankfurter Bibliotheken, ganz zum Schluss auch der städtischen Bibliothek, entstanden ist. Ihren Wissenschaftlern verdanken wir heute die Entschlüsselung der Tagebücher Senckenbergs, einem einzigartigen Dokument letztlich auch zur Stadtgeschichte Frankfurts im 18. Jahrhundert.

 

Heute an vorderster Front des medizinischen Fortschritts

Jüngste Sprösslinge in der Familie der Senckenberg-Institute sind die Chronomedizin, die auf ganz entscheidende Weise die innere Uhr des Menschen als Analyse- und Therapiekriterium auch schwerkranker Patienten in den Mittelpunkt rückt, sowie die Neuroonkologie, die erstmals im Rhein-Main-Gebiet für ein Netzwerk aller Kompetenzen sorgt, die für die bisher oft hoffnungslos erkrankten Hirntumorpatienten so wichtig sind.

 

Festanlass zu Ehren ihres Gründervaters

Einen Einblick in ihre vielfältigen Leistungen geben die Institute am 18. August 2013, auf den Tag genau 250 Jahre nach Gründung der Stiftung, wenn sie auf dem Campus Westend ihren Begründer und Ahnen Johann Christian Senckenberg und seine Stiftung feiern. Mit Vorträgen etwa zum ‚Hortus medicus‘ und zur Botanik Senckenbergs, zum Lymphknotendesign, zu Dr. Senckenbergs Anatomie live, zur Gesundheit des Menschen und der Erde, zur Geschichte und Ethik der Medizin und zum Konzept des Bürgerhospitals, Präsentationen wie der Meteoriten-Expo und spielerischen Aktionen, wie dem Quiz zum Mythos Hirntumor, der interaktiven Chronomedizin sowie der Senckenberg-Fotoaktion wird verdeutlicht, wie groß die Bedeutung der Anstöße des Stifters auch für die Gegenwart ist. Als besondere Attraktion werden zudem die Senckenberg-Tagebücher öffentlich präsentiert. Den unterhaltsamen Rahmen bereit Moderator Privatdozent Dr. Helmut Wicht.

Festrednerin im großen Casinogebäude des Campus Westend ist Dr. Edeltraud Leibrock, Vorstand der KfW-Stiftung zum Thema „Ein Tempel für die Wissenschaft“. Wissenswerte und bisweilen unbekannte Aspekte der Geschichte und Gegenwart der Stiftung und ihrer Bedeutung für die Stadt Frankfurt und die Goethe-Universität thematisieren der Universitätsvizepräsident, Prof. Dr. Enrico Schleiff, der Direktor der Dr. Senckenbergischen Anatomie und Chronomedizin, Prof. Dr. Horst-Werner Korf, und der Historiker und Senckenberg-Biograph, Dr. Thomas Bauer.

Quelle: Universitätsklinikum Frankfurt c/o GLORIA MVNDI

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