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Begehbare Außeninstallationen von Hélio Oiticica im Palmengarten

Hélio Oiticica, Penetrável PN 14 MAP, 1979 - Installationsansicht der Ausstellung / Installation view of the exhibition Museu é o mundo, MAM Museu de Arte Moderna, Rio de Janeiro, 2010, Hélio Oiticica, Penetrável PN 14 MAP, 1979 - Installationsansicht der Ausstellung / Installation view of the exhibition Museu é o mundo, MAM Museu de Arte Moderna, Rio de Janeiro, 2010, César Oiticica Filho

Studierende des Masterstudiengangs „Curatorial Studies“ entwickelten das Performance- und Filmprogramm – Besondere Räume der Wahrnehmung und Interaktion

Zur Retrospektive „Hélio Oiticica. Das große Labyrinth“ (28.9.2013-12.1.2014) des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt zeigt der Palmengarten Frankfurt bereits ab 30. August (Freitag) bis 27. Oktober drei begehbare Außeninstallationen des brasilianischen Künstlers. In einem der Pavillons, „Penetrável PN 14 MAP“, findet in diesem Zeitraum ein Performance- und Filmprogramm mit Interventionen zeitgenössischer Künstler statt, das von Studierenden des Masterstudiengangs „Curatorial Studies – Theorie – Geschichte – Kritik“ (Goethe-Universität und Städelschule) erarbeitet wurde.

Hélio Oiticica (1937–1980) gilt als Vorreiter der partizipativen Kunst. In den frühen 1960er-Jahren entwickelte er Strategien, um neue gesellschaftspolitische Perspektiven in der Kunst zu eröffnen. Er verstand sich als Konstrukteur von Materialität, Farbe, Zeit, Raum und Situationen. Statt eine Rezeption vorzugeben, laden Oiticicas raumgreifende Installationen (Penetráveis) – von denen drei im Palmengarten ausgestellt sind – zur freien Erkundung und Teilhabe ein. „Wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation war Oiticica der Zeit voraus. Die Begriffe ‚Partizipation’, ‚Environment’ und ‚Proposition’, die in Europa und Nordamerika den künstlerischen Diskurs erst Jahre später bestimmen sollten, waren in seinem Werk bereits zu einem frühen Zeitpunkt formuliert und verleihen diesem bis heute zentrale Bedeutung für die Kunst der Gegenwart“, sagt der stellvertretende Direktor des MMK und Ausstellungskurator Peter Gorschlüter.

Die „Penetráveis“ hat Oiticica seit den 1960er-Jahren entworfen. Der Begriff „Penetrável“ ist eine Wortschöpfung des Künstlers und stammt von dem portugiesischen Verb „penetrar“ (durchdringen) ab. „Penetrável PN 14 MAP“ entstand in einer Serie  Konzepten und Modellen zu Pavillons, die sich in Größe, Farbe und Form unterscheiden und wurden nach den genauen Vorgaben des Künstlers im Palmengarten aufgebaut. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie alle zur Partizipation des Besuchers und Bespielung des Raumes mit sinnlichen Experimenten und Ereignissen gedacht sind. Zu Lebzeiten lud Oiticica immer wieder Tänzer, Musiker, Künstler und Schriftsteller ein, um seine Werke und Installationen zu bespielen. Doch nicht nur während der Performances, sondern auch in den Ruhephasen können die Besucher die Installationen eigenständig erkunden.

Durch Performances mit Sound, Lecture und Tanz sowie einer Filmreihe wird der Pavillon im Sinne Oiticicas zum Leben erweckt und ermöglicht den Besuchern besondere Räume der Wahrnehmung und Interaktion. Wie wird Oiticicas Pavillon erfahren? Welche Ansätze und Ideen sind in Werken der Gegenwartskunst zu finden? Auf welche Weise findet Partizipation statt? Mit diesen Fragen haben sich die Studierenden der „Curatorial Studies“ in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Das Ergebnis ist ein umfassendes Film- und Performance-Programm mit zwölf künstlerischen Positionen, das die Studierenden für Oiticicas „Penetrável PN 14 MAP“ im Frankfurter Palmengarten erarbeitet haben.  Experimente mit Sound, Sprache und Tanz, Projektionen, Salonabende und Begehungen knüpfen an Oiticicas Konzepte und Ideen an und übersetzen diese in die heutige Zeit.

Dazu tragen am Eröffnungsabend (Freitag, 30. August 20.30 Uhr), die in Frankfurt arbeitenden Künstler Charlotte Simon, Jonathan Penca und Zink Tonsur mit ihrer Performance „Kristallo – Fließen und Forschen“ bei: Es ist die Geschichte einer utopischen Gemeinschaft, deren Mitglieder sich jeglicher alltäglicher Bedürfnisse verwehren und sich stattdessen sinnlicher Erlebnisse hingeben. Die Performancekünstler experimentieren im Pavillon mit Sound, Farbe und Kostümierungen, um ihren eigenen Kosmos zu erschaffen. Jochen Dehn nimmt in seiner Arbeit „Das große Rasenstück“ (31. August und 1. September) die Besucher mit auf eine Tour durch den Palmengarten. Dabei werden Experimente vollzogen und versteckte Orte entdeckt. Dehn begreift die Kunst nicht als die Bindung ans Objekt, sondern vielmehr als Werkzeug zur Transformation von Wahrnehmung. Die amerikanische Performerin Vaginal Davis wird im Rahmen des MMK Sunset im Palmengarten (11. September) eine Audienz unter dem Titel „Lesbi Tropicalia“ halten. Besucher dürfen sich auf ein exklusives Treffen freuen, bei Tee und Gebäck können Geheimnisse, Klatsch und Tratsch ausgetauscht werden. An drei Abenden werden die Performances von einem Filmprogramm begleitet. Dabei treffen Filme und Videos von aktuellen Künstlern wie Pauline Boudry/ Renate Lorenz und Pola Sieverding auf filmische Werke von Oiticicas Zeitgenossen Charles Simonds und Jack Smith.

Das von den Studierenden erarbeitete Programm ist das erste kuratorische Projekt des inzwischen international anerkannten Studiengangs, der eng mit den Frankfurter Museen zusammenarbeitet. „Kuratieren muss theoretisch und praktisch gelernt sein. Dies verlangt neben inhaltlichem Wissen vom Gegenstand auch theoretisches Wissen besonders im Bereich der Erkenntnistheorie und Ästhetik, aber auch praktische Erfahrung mit Ausstellen und Inszenierung künstlerischer Werke im Raum“, so Dr. Stefanie Heraeus, Initiatorin und Leiterin des nun im vierten Jahr angebotenen Masterstudiengangs. Dieser ist ein Kooperationsstudiengang der Goethe-Universität und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, der gemeinsam mit fünf Frankfurter Museen durchgeführt wird: MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Städel Museum und Liebieghaus, Historisches Museum, Weltkulturen Museum und Portikus. Der Studiengang zeichnet sich durch die international einzigartige Verbindung von Universität, Kunstakademie und Museen aus. Durch innovative Lehr- und Lernformate können Studierende akademisches Lernen und wissenschaftliche Forschung mit kuratorischen Fragestellungen und berufsbezogenen Erfahrungen verbinden.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Palmengarten: Täglich 9 bis 19 Uhr, Eingang Siesmayerstraße 63, sowie Sonderöffnungszeiten bei Veranstaltungen


Veranstaltungsprogramm: www.kuratierenundkritik.net/deutsch/home-de.html (bei starkem Regen nur eingeschränktes Programm, Infos unter www.palmengarten.de oder www.kuratierenundkritik.net)


Informationen zu Eintrittspreisen etc.: www.palmengarten.de, www.mmk-frankfurt.de

 

Quelle: Universität Frankfurt am Main

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